z u r ü c k

Ich frage mich, ob es nicht ein besseres Wort für „zurück“ gibt. Zurück ist doch negativ.
Das Leben passiert und wir passieren mit ihm; wir haben immer gelernt, dass man nicht zurückschauen soll, sondern freudig nach vorn blicken und dem Glück in die Arme taumeln muss. Und dann passieren Dinge, die wir nicht erahnen können und auf einmal stehen wir vor der Wahl – zurückgehen oder nicht? Weiter voranpreschen und das Leben stehen lassen, dass an einer Abzweigung auf uns wartet und uns zuwinkt?
Ich zweifle viel und gern und tendenziell immer, mein Kopf ist so oft lauter als mein Herz und meine gedanklichen Eskapaden nehmen apokalyptische Ausmaße an. Meistens merke ich sogar, dass es mir nicht gut tut, mich so kopfüber in die Gedanken fallen zu lassen, aber mich selbst aufhalten kann ich dann in der Regel trotzdem nicht. Wieso muss man sich eigentlich ständig selbst disziplinieren?
Lange genug hab‘ ich darüber nachgedacht, ob ich diesen Schritt gehe und ich bin ihn gegangen. Manchmal erfordert ein Zurückgehen mehr Mut als ein Vorwärtsgehen.
Vielleicht ist „weiter“ ein besseres „zurück“.
Abwarten.

xx

Long time no see

Manchmal rast das Leben in einer atemberaubenden Geschwindigkeit an dir vorbei und du merkst es nicht mal. Auf einmal ist Weihnachten oder Geburtstag oder etwas nicht ganz so Erfreuliches da; direkt vor deiner Nase.
Manchmal kannst du dich deswegen nicht auf alles vorbereiten. „Das Leben ist passiert“, sagst du dann zu Freunden, die du lange nicht gesehen hast.
Manchmal fragst du dich, wie oft du dich noch mit den Worten „Es war einfach so unglaublich viel los“ entschuldigen wirst, bei so vielen Menschen, die zwar Platz in deinem Kopf, aber nicht in deinem Terminkalender hatten.

Dabei war doch gar nicht so viel los. Es gab Momente, in denen du auf dein Handy gestarrt und Gedanken an die falschen Menschen verschwendet hast und in denen du einfach nicht wusstest, was gerade gut für dich ist. Wo ist der kleine Abstand zwischen Entschuldigung und Ausrede; wo ist die Grenze, die bei Überschreitung Freundschaften strapaziert? Wenn du ehrlich bist, weißt du, dass du dich hast davonschwemmen lassen, von Kleinigkeiten, denen du erlaubt hast, dein Leben schleichend zu übernehmen.

Schluss damit.

Es ist ein neues Jahr und nichts ist klischeehafter, als dieses mit Vorsätzen zu beginnen. Die ganz unabhängigen und durchgehend motivierten Menschen sagen dir, dass du „jeden Tag neu anfangen“ kannst und „nur die Entscheidung zählt“. Ganz egal. Vielleicht brauchst du diesen Augenblick der Besinnung und die Möglichkeit, die Tage zu zählen, die du samt Vorsätzen schon durchgestanden hast. Was auch immer es ist, wie klein du auch anfängst – es kann nur besser werden. Ein Sprichwort, das mir gefällt, ist „Einsicht ist der erste Weg zur Besserung“. Unabhängig davon, wie lange es dauern wird, hat dein Kopf schon längst erkannt, dass das Herz eine Veränderung braucht. Und nur du kannst diese Veränderung herbeiführen – wenn du eben soweit bist.

Ich möchte mehr Zeitung lesen, Nachrichten bewusster hören und sehen, nachhaltiger leben, Tiere am Leben lassen, Momente anders wahrnehmen. Ich wünsche mir, dass ich alle Jahreszeiten genau so sehr liebe wie im letzten Jahr und dass sich manche meiner Kopfgespenster endlich auflösen, auf dem Weg durch 12 lange Monate, die sich am Ende doch nur wie ein paar Wochen anfühlen werden. Ich will ein bisschen mehr „Ich“ in dem Dschungel aus „Wir“ und „Du“ und „die Anderen“.

Zwing‘ dich zu nichts, was du nicht willst. Zwing‘ dich zu den Dingen, die du willst, aber nicht zu können glaubst.
Vielleicht ist das meine Lösung für dieses Jahr, oder eben auch für immer.

Und: Tu‘, was NUR du willst.
Daran arbeite ich noch gehörig, denn das gehört zu Kategorie zwei der Zwinge-Dinge. (siehe oben, falls Wortwahl verwirrend.)

Happy new year, folks.

xxx

Sind wir stark genug?

Es gibt diese Tage, an denen uns nichts so richtig gelingen will, obwohl wir uns doch alles so gut überlegt hatten. Das Handy fällt auf den Asphalt, während man völlig außer Atem in den schon überfüllten Bus springen will, die Haare kleben im Labello und im Nacken, ein Fingernagel ist eingerissen und man kann ihn einfach nicht in Ruhe lassen, bis man eine Feile zur Hand hat. Dem Herrn an der Kasse flutscht der Pfandbon unter das Band, die Dame neben einem riecht irgendwie unangenehm und der Akku ist mal wieder leer.

Dann gibt es Tage mit Streit, der schon am frühen Morgen über einer Tasse Tee ausbricht, einfach weil Familie nicht immer leicht und schön ist, sondern manchmal unbequem und schmerzhaft sein kann, so sehr, dass man hinterher gar nicht mehr weiß, wieso man eigentlich die Tür so laut hat zuschlagen lassen. Es gibt Herzensbrüche, die so leise von Statten gehen, dass keiner sonst sie mitbekommt, weil man sich daran gewöhnt hat, lieber nichts zu sagen, weil doch niemand gern immer zuhört und Mut zuspricht – irgendwann muss doch mal Schluss sein, sagen wir uns, und lassen erst alles raus, wenn das Fass überläuft, aber dann so richtig! Manchmal verlieren wir uns so sehr in einer nicht bestandenen Klausur, einem verpatzten Referat oder einer zu spät begonnenen Hausarbeit, dass alle Umstände direkt eine graue Färbung bekommen, obwohl es doch nur dieses eine Mal war, und wir hatten doch wirklich gute Gründe…

Und manchmal stellst du fest, dass egal wie lang und beschwerlich der Weg war, das noch lange keine Garantie dafür ist, dass die Arbeit auch belohnt wird und man aufatmen kann. Manche Wege gehen wir auf den ersten Blick umsonst und ein einziger Satz im falschen Moment kann uns vollkommen aus der Bahn werfen, uns den Boden unter den Füßen wegziehen, den wir uns so hart erarbeitet haben, indem wir nicht nur unsere Grenzen sondern auch uns selbst strapaziert haben.

Vielleicht muss man sich damit abfinden, dass man manchmal einfach nur um des Kämpfens Willen kämpft, dass jeder Schritt etwas wert ist, auch wenn er uns zum Schluss nicht an das gewünschte Ziel bringt, obwohl wir das doch so gerade vor Augen hatten.
Du hast keine Wahl, als wieder aufzustehen und weiter zu kämpfen, den Staub abzuklopfen und die neuen Möglichkeiten abzutasten, auch wenn du doch das Gefühl hattest, weiter als bisher könntest du einfach nicht gehen. Du kannst es, du musst es jetzt sogar, denn die Alternative wäre Resignation und die leisten wir uns ganz bestimmt nicht. Wir geben nicht auf, weil wir gelernt haben, dass der Weg das Ziel ist. Nicht das Ziel.

Und dann lernen wir, tief durchzuatmen und uns auf das zu besinnen, was wir haben. Den Platz im Bus der übelriechenden Dame anzubieten, aus dem Fenster zu sehen und auch ohne Musik im Ohr die Fahrt zu genießen. Den Kassierer anzulächeln und ihm die 3 Euro 45 nachzusehen oder mit ihm gemeinsam das Band hochzustemmen – immer noch lächelnd, versteht sich. Den Kommilitonen nicht damit in den Ohren zu liegen, wie schlecht die Prüfung gelaufen ist, sondern sich selbst am Riemen zu reißen und nach Gründen dafür zu suchen und diese produktiv zu nutzen. Die Freundinnen vorher daran teilhaben zu lassen, dass man glaubt, das Herz könne brechen. Dafür sind sie da, seien wir doch ehrlich. Teilen macht stärker als jede falsche edle Zurückhaltung.
Das Leben will gelebt werden und die Hoffnung aufzugeben bremst uns doch nur dabei.

Hat hier jemand gefragt, ob wir stark genug seien?

Pah. Natürlich.

Und noch viel mehr.

xxx, Kathi

Wovor fürchtest du dich?

Kennst du den Moment, wenn du die Tür hinter dir schließt und dich fragst, ob du den Schlüssel eingesteckt hast? Nach einem Abschied, wenn du nicht sicher bist, ob du die richtigen Worte gefunden hast? Kennst du das Gefühl, allein unterwegs zu sein und zu denken, alle starren dich an, weil dein Kleid nicht so sitzt, wie du es dir vorgestellt hast? Was ist, wenn die Anderen dich nicht mögen? Was ist, wenn er dich zurückweist? Was ist, wenn du dich nicht richtig verhältst?

Hast du dir schon einmal gewünscht, eine ganze Woche schlafen zu können, damit manche Dinge an dir vorbeiziehen, ohne dass sie wirklich passieren müssen? Warst du schon einmal in großer Runde unterwegs, kanntest aber nur eine Person aus dieser, und dachtest die ganze Zeit, du seist fehl am Platz und würdest nicht zu den Anderen passen? Hat dir schonmal jemand gesagt, du seist abweisend, obwohl du nur vorhattest, dich vorsichtig zurückzuhalten und den besseren Konversationsmachern das Feld zu überlassen?

Kannst du spontan eine Rede über alles, was du liebst, halten? Wie sehr zittert deine Stimme vor einem Referat? Bist du viel allein? Und bist du überhaupt gern allein?

Wie oft probierst du etwas Neues aus, einfach weil du Lust darauf hast? Warst du schonmal spontan weit weg? Hast du einen Plan für jede Situation, die auf dich zukommt – oder macht es dir Angst, dass du ihn nicht hast? Wie viele Kleidungsstücke, die in deinem Schrank hängen, haben noch nie das Tageslicht gesehen, weil sie es immer nur bis vor den heimischen Spiegel schaffen um dann seufzend zurück in die Tiefen verbannt zu werden? Traust du dich im Restaurant über dein Lieblingsessen hinaus? Möchtest du wirklich gern perfekt sein – und musst du es überhaupt?

Wen liebst du so aufrichtig, dass du vor ihm oder ihr ganz du selbst bist, mit allen Ecken und Kanten und allen Seiten, die nicht so schön sind, dass man sie gern jedem zeigen würde? Wie viele Menschen haben dich je weinen sehen? Wem würdest du dein Tagebuch anvertrauen?

Sind wir zu ängstlich und verstecken uns dahinter? Ich denke, wir müssen lernen, loszulassen, Ängst zu sortieren und um sie herum zu leben – oder vielleicht auch mal mitten hindurch. Das Leben ist zu kurz, um sich immer von sich selbst einschränken zu lassen.

Ich möchte mehr sehen, mehr tun, mehr leben.
Mehr.

xxx, Kathi

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… und wieso eigentlich Tinkerbell?

Ich denke, ihr kennt das. Es gibt Dinge, die prägen sich ein, bevor man im wörtlichen und im übertragenen Sinne auf eigenen Beinen stehen kann.

Als Kind war ich still, hellblond und zuckersüß. (Letzteres ist selbstverständlich nur meine eigene Interpretation.) Ich habe meine Puppen geliebt und mich ihnen mit Hingabe gewidmet. Stundenlang konnte ich mich damit beschäftigen, ihnen die Haare zu kämmen und kleine Szenarien heraufzubeschwören, die sich nie großartig veränderten, an denen ich aber ewig arbeitete, weil sie mir doch nie perfekt genug waren. Manchmal saß ich ganze Nachmittage in meinem Kinderzimmer, zwischen Dino-Teppich und rosa Wänden, die ich Papa abgerungen hatte, und malte mir Geschichten aus, träumte mich in andere Welten, aus denen mich kaum etwas oder jemand zurückholen konnte. Gab man mir ein Buch, wollte ich es am liebsten einatmen. Ich stand immer mit einem Bein in meiner eigenen Welt, ich war manchmal so gar nicht richtig da und wollte es auch irgendwie nicht sein.

Tinkerbell, wer ist das eigentlich? Die kleine Fee aus Peter Pan? Ich weiß nicht, wen meine Mutter im Sinn hatte, als sie mich eines Tages so nannte, ich weiß nur, dass ich es nie vergessen habe und dass ich mich immer zauberhaft gefühlt habe, wenn sie meinen echten Namen beiseite schob und mich auf die Welt der Fabelwesen hinaufklettern ließ. Ich hätte manchmal gern rosa Flügel gehabt, doch das schlug ich mir aus meinem rationalen Köpfchen, denn auffallen mochte ich nun gar nicht so gern. (Außerdem schnitten meine Eltern mir zu diesem Zeitpunkt die Haare kurz. Und ein Kind undefinierbaren Geschlechts mit rosa Flügeln will ja nun wirklich niemand sehen.)

Mit der Zeit bin ich gewachsen, raus aus meinem rosa Zimmer, raus aus meiner Liebe für Puppen und raus aus meiner Welt, die mich ganz für sich hatte. Jetzt mag ich es weiß und ordentlich, freue mich über Blumen statt über Puppen, und blond bin ich auch schon lange nicht mehr.
Doch irgendwo ist noch etwas von meinem inneren Kind übrig. Ich liebe noch immer Bücher voller Geschichten, die mich in ihren Bann ziehen, sodass ich das Atmen vergesse und ich habe sie noch immer: meine Träume, die mich von allen Dingen um mich herum ablenken, mich von der Außenwelt abschotten und glücklich in mich hinein lächeln lassen. Auch, wenn ich jetzt älter bin und die kleine Fee sich ein Stück von mir entfernt hat – sie ist noch immer ein Teil von mir und immer noch das, was mich hoffen lässt.
Hoffen, worauf?
Auf nichts Bestimmtes.

Einfach hoffen.

xxx, Kathi

Jumping off the cliff

Hello.

Tja, da sind wir also.

Nein, falsch, da bin ich, denn noch hört mir niemand zu, noch liest niemand meine Worte, noch habe ich diesen Moment ganz für mich allein und vielleicht bleibt das ja auch so. Ich weiß gar nicht, was mir lieber wäre – die ewige Möglichkeit, mich hinter einem Namen zu verstecken, der mehr verschleiert als dass er preisgibt, oder ein Schritt nach draußen, in’s Licht der Welt, selbst wenn es nur drei Menschen auffällt. Oder fünf.

Ich will euch nichts vormachen, imaginäre Leser und Leserinnen, mein Leben ist nicht das, was ich selbst als spannend beschreiben würde. Ich reise nicht besonders viel, ich lebe nicht die großen Abenteuer aus, ich bin selten in der Mitte des Geschehens, aber genau das treibt mich an. Kennt ihr das Gefühl, wenn eure Haut euch zu klein ist? Jede Bewegung fühlt sich an, als sei sie einstudiert, meine Haut fühlt sich zu klein an für das, was Herz und Gehirn mir zuflüstern. Ich will mehr. Mehr vom Leben, mehr von meiner Liebe, mehr von jedem Moment, den ich erlebe. Kreativität hat immer schon laut in mir gesungen, aber wann hatte ich je den Mut, sie wirklich auszuleben und anderen Menschen zu zeigen, dass ich mehr bin als das Mädchen, das zwar immer da ist, aber trotzdem innerhalb von Sekunden ungesehen verschwinden kann? Ich brauche mehr Platz; für mich selbst und für all die Ideen, die ich habe, aber nie ausführe.

Do you feel me?

Ich habe es geschafft und die Unsicherheit für ein paar Stunden hinter mir gelassen. In diesen Stunden habe ich im Schweiße meines Angesichts einen – meinen! – Blog zusammengebastelt, festgestellt wie Internet-unbegabt ich doch bin und mit mir selbst diskutiert, ob ich nun Bilder mit einbringen möchte oder nicht. Zu einem Schluss sind ich und ich nicht gekommen.

Mein Gesicht kennt ihr, vielleicht gebe ich euch auch den Rest. Also, den Rest von mir. Ihr versteht mich.

Machen wir uns gefasst auf viele Gedanken, Inspirationen und endlich ausgesprochene Wünsche. Ich freue mich auf jeden einzelnen von euch.

xxx, Kathi