Sind wir stark genug?

Es gibt diese Tage, an denen uns nichts so richtig gelingen will, obwohl wir uns doch alles so gut überlegt hatten. Das Handy fällt auf den Asphalt, während man völlig außer Atem in den schon überfüllten Bus springen will, die Haare kleben im Labello und im Nacken, ein Fingernagel ist eingerissen und man kann ihn einfach nicht in Ruhe lassen, bis man eine Feile zur Hand hat. Dem Herrn an der Kasse flutscht der Pfandbon unter das Band, die Dame neben einem riecht irgendwie unangenehm und der Akku ist mal wieder leer.

Dann gibt es Tage mit Streit, der schon am frühen Morgen über einer Tasse Tee ausbricht, einfach weil Familie nicht immer leicht und schön ist, sondern manchmal unbequem und schmerzhaft sein kann, so sehr, dass man hinterher gar nicht mehr weiß, wieso man eigentlich die Tür so laut hat zuschlagen lassen. Es gibt Herzensbrüche, die so leise von Statten gehen, dass keiner sonst sie mitbekommt, weil man sich daran gewöhnt hat, lieber nichts zu sagen, weil doch niemand gern immer zuhört und Mut zuspricht – irgendwann muss doch mal Schluss sein, sagen wir uns, und lassen erst alles raus, wenn das Fass überläuft, aber dann so richtig! Manchmal verlieren wir uns so sehr in einer nicht bestandenen Klausur, einem verpatzten Referat oder einer zu spät begonnenen Hausarbeit, dass alle Umstände direkt eine graue Färbung bekommen, obwohl es doch nur dieses eine Mal war, und wir hatten doch wirklich gute Gründe…

Und manchmal stellst du fest, dass egal wie lang und beschwerlich der Weg war, das noch lange keine Garantie dafür ist, dass die Arbeit auch belohnt wird und man aufatmen kann. Manche Wege gehen wir auf den ersten Blick umsonst und ein einziger Satz im falschen Moment kann uns vollkommen aus der Bahn werfen, uns den Boden unter den Füßen wegziehen, den wir uns so hart erarbeitet haben, indem wir nicht nur unsere Grenzen sondern auch uns selbst strapaziert haben.

Vielleicht muss man sich damit abfinden, dass man manchmal einfach nur um des Kämpfens Willen kämpft, dass jeder Schritt etwas wert ist, auch wenn er uns zum Schluss nicht an das gewünschte Ziel bringt, obwohl wir das doch so gerade vor Augen hatten.
Du hast keine Wahl, als wieder aufzustehen und weiter zu kämpfen, den Staub abzuklopfen und die neuen Möglichkeiten abzutasten, auch wenn du doch das Gefühl hattest, weiter als bisher könntest du einfach nicht gehen. Du kannst es, du musst es jetzt sogar, denn die Alternative wäre Resignation und die leisten wir uns ganz bestimmt nicht. Wir geben nicht auf, weil wir gelernt haben, dass der Weg das Ziel ist. Nicht das Ziel.

Und dann lernen wir, tief durchzuatmen und uns auf das zu besinnen, was wir haben. Den Platz im Bus der übelriechenden Dame anzubieten, aus dem Fenster zu sehen und auch ohne Musik im Ohr die Fahrt zu genießen. Den Kassierer anzulächeln und ihm die 3 Euro 45 nachzusehen oder mit ihm gemeinsam das Band hochzustemmen – immer noch lächelnd, versteht sich. Den Kommilitonen nicht damit in den Ohren zu liegen, wie schlecht die Prüfung gelaufen ist, sondern sich selbst am Riemen zu reißen und nach Gründen dafür zu suchen und diese produktiv zu nutzen. Die Freundinnen vorher daran teilhaben zu lassen, dass man glaubt, das Herz könne brechen. Dafür sind sie da, seien wir doch ehrlich. Teilen macht stärker als jede falsche edle Zurückhaltung.
Das Leben will gelebt werden und die Hoffnung aufzugeben bremst uns doch nur dabei.

Hat hier jemand gefragt, ob wir stark genug seien?

Pah. Natürlich.

Und noch viel mehr.

xxx, Kathi

Advertisements

Ein Gedanke zu “Sind wir stark genug?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s